Die Geschichte der deutschen Nationalmannschaft

Die deutsche Fußballnationalelf spielt 2018 um den 5.Stern, den 5.Weltmeistertitel. Nach 1954, 1974, 1990 und 2014 strebt der aktuelle Bundestrainer Joachim Löw nur noch auf neun Weltmeister von 2014, schaut man sich den WM Kader an. Berühmte Namen wie Rummenigge, Seeler, Breitner oder Beckenbauer prägten den Fußball in Deutschland. Wir wollen uns die Geschichte der deutschen Fußball Nationalmannschaft anschauen und blicken natürlich auch auf die Fußball WM 2018.

Lukas Podolski hält den WM Pokal hoch. Die deutsche Mannschaft konnte das Finale in Rio de Janeiro dank eines Treffers von Mario Götze in der 12. Minute der Verlängerung gewinnen. Wir schreiben den 13. Juli 2014. AFP PHOTO / PEDRO UGARTE

Die Anfänge – Ur-Nationalspiele und Gründung des DFB

Bereits vor der Gründung des DFB im Jahre 1900 wurden von deutschen Nationalmannschaften Länderspiele absolviert. Diese Spiele gegen meist englische und französische Mannschaften werden jedoch vom Verband nicht anerkannt und werden gemeinhin als Ur-Länderspiele bezeichnet. Dass erste offizielle Länderspiel der deutschen Geschichte fand am 08. April 1908 in Basel gegen die Schweiz statt. Die Eigenossen konnten das Spiel am Ende mit 5:3 für sich entscheiden. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg fristete der Fussball in Deutschland jedoch vor allem was das Nationalteam anbelangte eher ein Schattendasein. Dies lag nicht zuletzt auch daran, dass die Landesverbände und der DFB nicht immer gut miteinander kooperierten und somit häufig nicht das beste Team auf dem Platz stand, sondern die Mannschaft deren Landesverbände den meisten Einfluss auf den DFB ausüben konnten. Die erste WM-Teilnahme konnte der DFB 1934 in Italien verbuchen. Beim komplett im K.O.-System ausgetragenen Turnier wurde man schießlich respektabler dritter. Bei der WM 1938 kam es dann zum schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Mannschaft. Trotz der Tatsache, dass es sich um ein „großdeutsches“ Team mit Spielern aus Deutschland, Österreich und Tschechien handelte schied man bereits im Achtelfinale aus.

Deutschland ist Weltmeister. Ferenc Puskas (L) gratuliert der deutschen Mannschaft nach dem Wunder von Bern. AFP PHOTO/INTERCONTINENTALE
Deutschland ist Weltmeister. Ferenc Puskas (L) gratuliert der deutschen Mannschaft nach dem Wunder von Bern. AFP PHOTO/INTERCONTINENTALE

Die Nachkriegszeit – Spielausschluss und Wunder von Bern

Nach den Wirren des 2. Weltkrieges schloss die FIFA alle deutschen Mannschaften von der Teilnahme an Turnieren aus und verbot ihren Mitgliedsverbänden Spiele gegen deutsche Mannschaften auf Vereins- und Nationalebene auszutragen. Ein harter Schlag für den nach dem Krieg wieder gegründeten DFB. Durch die Bemühungen des schweizer Fussballverbandes und der englischen FA konnte man jedoch bis zum Jahre 1950 wieder in die FIFA aufgenommen werden. Einziger Haken: man wurde erst nach der Qualifikation für die WM 1950 in Brasilien aufgenommen und konnte somit nicht am Turnier teilnehmen. Vier Jahre später sollte jedoch ein legendäres deutsches Team um Spieler wie Toni Turek, Fritz und Ottmar Walter und Helmut Rahn all dies vergessen machen. Bei der WM 1954 in der Schweiz war die deutsche Nationalmannschaft wieder ein Bestandteil der Fussballfamilie der Welt und konnte am Ende durch einen völlig unerwarteten 3:2 Sieg gegen die hochfavorisierten Ungarn zum ersten Mal Weltmeister werden. Das Wunder von Bern war geboren und es wirkte wie Balsam für eine von Krieg und Zerstörung gebeutelte deutsche Volksseele.

Kapitän Franz Beckenbauer erhält WM-Pokal nach dem 2:1 Sieg gegen Holland am 07. Juli 1974 . Deutschlands damaliger Bundespräsident Walter Scheel (L) applaudiert. (Foto AFP)
Kapitän Franz Beckenbauer erhält WM-Pokal nach dem 2:1 Sieg gegen Holland am 07. Juli 1974 . Deutschlands damaliger Bundespräsident Walter Scheel (L) applaudiert. (Foto AFP)

1960er – 1980er Jahre: Goldene Zeiten für den DFB

Der DFB war in den 1960er Jahren bereits wieder einer der besten Fussballverbände der Welt und die deutsche Mannschaft galt stets als anwärter auf Erfolge bei großen Turnieren. In keinem WM Turnier schied man vor dem Viertelfinale aus und schaffte es 1966 sogar wieder ins Finale gegen die Engländer im legendären Wembley-Stadion. England gewann dank des kontroversen Wembley-Tors schlussendlich das Finale mit 4:2 und konnte sich über den ersten WM Titel für den stolzen Inselstaat freuen. Seit diesem Titel laufen die Engländer jedoch ihrer großen Vergangenheit hinterher und konnten in mittlerweile mehr als 50 Jahren kein einziges Turnier mehr gewinnen. Für die deutsche Mannschaft hingegen waren die späten 1960er ein Aufbruch in eine neue Generation von großen Spielern und großen Titeln. Bei der WM 1970 in Mexiko kam es im Halbfinale der Weltmeisterschaft traf man auf die alten Rivalen aus Italien und konnte mit Spielern wie Beckenbauer, Seeler, Breitner, Maier und Müller lange gut gegen die starken Italiener gegenhalten. Nach 90 Minuten stand es im Spiel, das als „Jahrhunderspiel“ in die Geschichte eingehen sollte 1:1. In der verlängerung sollten noch 5 Tore fallen, zwei für den DFB und drei für Italien. 1972 konnte die deutsche Mannschaft dann auch auf europäischer Ebene ihren ersten großen Erfolg feiern. Im Finale der EM schlug man die UdSSR deutlich mit 3:0. 1974 kam es dann zur WM im eigenen Land bei der es gleich mehrere historische Begegnungen gab. In der Verrunde traf das Team von Trainer Sepp Herberger im Bruderduell auf die DDR und verlor das erste Kräftemessen zwischen beiden Mannschaften promt durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0. Im Viertelfinale traf man bei strömenden regen in der Wasserschlacht von Frankfurt auf ein starkes polnisches Team, dass wohl bei gutem Wetter zu stark für die Nationalmannschaft gewesen wäre. Im finale Schließlich traf man in München auf die Fussballkünstler aus den Niederlanden, die damals als beste Mannschaft der Welt galten. Ihr legendäre Chefstratege Johan Cruyff und seine Mitspieler waren weltberühmt und schafften es, nach nur einer Minute gegen den DFB nach einem Foulelfmeter in Führung zu gehen. Nach einem Elfmeter für den DFB den Paul Breitner verwandelte und einem typischen Gerd Müller Tor stand es jedoch am Ende 2:1 für Deutschland und der zweite WM-Titel konnte gefeiert werden. 1980 krönte ein verjüngtes Team mit Spielern wie Karl-Heinz Rummenige dann das erfolgreiche Jahrzehnt mit einem weiteren EM Titel.

Daten und Rekorde
WM-Teilnahmen19/21
WM-Titel4
EM-Titel3
RekordspielerLothar Matthäus (150)
Rekordschütze Miroslav Klose (71)
Bekannte SpielerUwe Seeler, Helmut Haller, K-H Rummenige, Jürgen Klinsmann, Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Jupp Heynckes, Paul Breitner, Günter Netzer
Die WM-Bilanz des Weltmeisters Deutschland
Die WM-Bilanz des Weltmeisters Deutschland

Der dritte Stern und die dritte EM: Die 90er

Während die deutsche Mannschaft sich Ende der 80er im WM Finale 1986 in Mexiko noch Diego Maradonna geschlagen geben musste, so drehte man bei der WM 1990 unter der Führung ihres neuen Trainers Franz Beckenbauer den Spieß um. Ein Foulelfmeter von Andi Brehme wuchtete die Mannschaft in den 7. Fussballhimmel und zum dritten WM-Titel im Rematch gegen Maradonnas Argentinien in Rom. Die Mannschaft bestand damals aus Spielern wie Pierre Littbarski, Lothar Mattäus, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und Andi Brehme, Namen die auch heute noch jedem Kind in Deutschland ein Begriff sind. Das Ende dieser Spieleräre konnte das DFB-Team dann 1996 in England krönen. Nicht nur warf man den alten Rivalen aus England im Halbfinale im Elfmeterschießen aus dem Turnier, nein man konnte schließlich auch gegen Tschechien im Finale durch ein Golden Goal des heutigen Teammanagers Oliver Bierhoff mit 2:1 die Oberhand behalten.

Lothar Matthaeus (L) und Pierre Littbarski feiern den dritten Stern mit dem WM-Pokal nach dem Finalsieg mit 1:0 gegen Argentinien, 08 Juli 1990 in Rom. Das neue Trikot für die WM 2018 soll an das Trikot von 1990 erinnern. AFP PHOTO / AFP PHOTO / STAFF

Krise und Neuanfang: Die 2000er

In den 2000er Jahren wurde schnell klar, dass der DFB was die Jugendförderung anbetraf international ins Hintertreffen geraten war. Nach zwei desaströsen EM-Turnieren 2000 und 2004 bei denen man jeweils in der Vorrunde ausschied beschloss der DFB in Zusammenarbeit mit den Bundesligavereinen einen großen Umbau des Jugendsystems. Alle Mannschaften der Liga verpflichteten sich dazu moderne Leistungszentren zu bauen, der DFB investierte viel in die Ausbildung von Jungendtrainern und sorgte dafür, dass alle U-Mannschaften nach dem gleichen System und Spielprinzip trainiert wurden. Die ersten Erfolge dieses Systems wurden bei der WM 2006 in Deutschland sichtbar. Junge Spieler wie Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski stießen zur Mannschaft und gaben ihr neue Impulse. Der deutsche Fussball hatte das Abrutschen ins Mittelmaß abgewendet.

Wie ist die WM Bilanz Deutschlands?

Deutschland ist nicht nur Dauergast bei der WM Endrunde, sie sind auch dauergast im WM Halbfinale. Keine andere Mannschaft der Welt war so oft mindestens im Halbfinale wie das deutsche Team! Bei bislang 18 Turnierteilnhamen hat es der DFB ganze 14 mal ins Halbfinale geschafft, 8 mal drang man sogar bis ins Finale vor. In der ewigen Tabelle der Weltmeisterschaftsendrunden steht man nur knapp hinter dem Rekordweltmeister aus Brasilien auf Platz 2. Vor allem in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist der Lauf der Nationalmannschaft beeindruckend. Seit der WM 2002 in Japan und Südkorea stand das DFB-Team immer unter den letzten Vier.

JahrGastgeberErgebnis
1934ItalienDritter
1938FrankreichAchtelfinale
1954SchweizWeltmeister
1958SchwedenHalbfinale
1962ChileViertelfinale
1966EnglandVizeweltmeister
1970MexikoDritter
1974DeutschlandWeltmeister
1978ArgentinienViertelfinale
1982SpanienVizeweltmeister
1986MexikoVizeweltmeister
1990ItalienWeltmeister
1994USAViertelfinale
1998FrankreichViertelfinale
2002Japan & SüdkoreaVizeweltmeister
2006DeutschlandDritter
2010SüdafrikaDritter
2014BrasilienWeltmeister

Wie hat sich Deutschland für die WM 2018 qualifiziert?

Deutschland startete in Gruppe C der WM-Qualifikation in Europa. Hier traf man auf die Teams aus Nordirland, Aserbaidschan, Norwegen, Tschechien und San Marino. Nach 9 Spieltagen ohne Niederlage hatte sich die deutsche Mannschaft mehr als souverän als zweites Team aus Europa nach Belgien für die WM qualifiziert. Im letzten Spiel der Gruppe gegen die klaren Außenseiter aus Aserbaidschan konnte man schließlich mit einem verdienten 5:1 Sieg in Kaiserslautern die perfekte Qualifikation Realität werden lassen. Am Ende standen 30 Punkte aus 10 Spielen und ein Torverhältnis von 43:4 zu Buche, Rekord in Europa!

Nr.MannschaftSpGUVTorePunkte
1.Deutschland 101000+3530
2.Nordirland 10613+1219
3.Tschechien 10433+215
4.Norwegen 10415013
5.Aserbaidschan 10316-510
6.San Marino 100010-490
DatumUhrzeitMannschaft 1ErgebnisMannschaft 2
04.09.201620:45Norwegen 0:3 (0:2)Deutschland
08.10.201620:45Deutschland 3:0 (1:0)Tschechien
11.10.201620:45Deutschland 2:0 (2:0)Nordirland
11.11.201620:45San Marino 0:8 (0:3)Deutschland
26.03.201720:45Aserbaidschan 1:4 (1:3)Deutschland
10.06.201720:45Deutschland 7:0 (4:0)San Marino
01.09.201720:45Tschechien 1:2 (0:1)Deutschland
04.09.201720:45Deutschland 6:0 (4:0)Norwegen
05.10.201720:45Nordirland 1:3 (0:2)Deutschland
08.10.201720:45Deutschland 5:1 (1:1)Aserbaidschan

Wie stehen Deutschlands Chancen bei der WM 2018?

Deutschland gilt als Titelverteidiger und amtierende Nummer 1 der FIFA-Weltrangliste natürlich auch 2018 in Russland als einer der Top-Favoriten. Was die deutsche Mannschaft vor allem so stark macht ist ihr bislang stets tadelloser Teamgeist und ihre gute Mischung aus jungen Talenten wie Sané, Goretzka, Brandt, Süle und Werner aber auf der anderen seite vielen erfahrenen Spielern die weit über 50 Länderspiele absolviert haben wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Mesut Özil oder Toni Kroos. Diese Mischung könnte ihnen den entscheidenden Vorteil gegenüber jungen und eher unerfahrenen Teams wie Frankreich oder Brasilien geben. Prognose: Finale!