Die WM 1954 & das deutsche WM Trikot

Der erste Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft ist bis heute noch einer der wichtigsten für die Seele der Nation. Als krasser Außenseiter und fast schon geächteter Kriegstreiber reiste man in die Schweiz, gegen eine übermächtige ungarische Mannschaft war man in der Vorrunde noch Chancenlos, im Finale aber dann wie durch ein Wunder die siegreiche Mannschaft. Das „Wunder von Bern“ wird von manchen Menschen sogar als das Gründungsdatum der BRD, eines neuen Deutschlands verklärt. Wir werfen einen Blick auf den so unverhofften Titel des Teams um Fritz und Ottmar Walter in der Schweiz.

Das Wunder von Bern – der 1. WM-Titel

Die 5. Fußballweltmeisterschaft wurde in der Schweiz ausgetragen. Für die Endrunde konnten sich 16 Teams qualifizieren (zwölf Teams aus Europa, zwei aus Südamerika, je ein Team aus Asien und Nord- und Mittelamerika), die in vier Vorrundengruppen eingeteilt wurden. Dabei wurden jeweils zwei gesetzte und zwei nicht gesetzte Mannschaften (darunter auch Deutschland) einer Gruppe zugelost. Jedes Team hatte zwei Vorrundenspiele, jeweils ein gesetztes gegen ein nicht gesetztes Land. Bei Punktegleichheit zweier Mannschaften musste ein Entscheidungsspiel über den Aufstieg ins Viertelfinale entscheiden.
Die WM in der Schweiz erlebte 26 Spiele mit sagenhaften 140 Treffern (5,38 Tore im Schnitt pro Spiel). Torschützenkönig wurde der Ungar Sandor Kocsis mit elf Treffern in nur fünf Spielen. Diese WM erlebte zudem ein Spiel mit elf Toren (Deutschland gegen Ungarn) und das bislang torreichsten WM-Spiel aller Zeiten zwischen Österreich und der Schweiz mit 12 Treffern. Gespielt wurde in Bern (Finale), Basel, Genf, Lugano, Zürich und Lausanne.
Erstmalig wurde diese WM auch im Fernsehen übertragen, generell war die WM 1954 der Startschuss für die Kommerzialisierung des WM Turnieres.

Die Deutsche Nationalmannschaft im grünen Auswärtstrikot 1954 (Von links an : Fritz Walter, Anton Turek, Horst Eckel, Helmut Rahn, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Josef Posipal, Hans Schäfer, Werner Kohlmeyer, Karl Mai and Maximilian Morlock). Photo: AFP.
Die Deutsche Nationalmannschaft im grünen Auswärtstrikot 1954 (Von links an : Fritz Walter, Anton Turek, Horst Eckel, Helmut Rahn, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Josef Posipal, Hans Schäfer, Werner Kohlmeyer, Karl Mai and Maximilian Morlock). Photo: AFP.

11 Freunde müsst ihr sein – das Weltmeisterteam

Das von Sepp Herberger betreute deutsche Team konnte sich in einer Dreiergruppe mit dem damals unabhängigen Saarland (betreut vom späteren deutschen Bundestrainer Helmut Schön) und Norwegen für die Endrunde in der Schweiz qualifizieren.
Für das Finalturnier nominierte Herberger im Vorfeld 22 Spieler, verzichtete aber aus Prinzip auf Legionäre. So konnte der damals wohl mit Abstand beste Torwart der Deutschen, Bert Trautmann von Manchester City, nicht mitwirken. Des Weiteren stand kein einziger Spieler des damals aktuellen deutschen Meisters, Hannover 96, im WM Aufgebot. Im Gegenzug stellte der Vizemeister 1. FC Kaiserslautern mit gleich fünf Spielern (darunter auch das Brüderpaar Fritz und Ottmar Walter) die größte WM-Abordnung.

Der deutsche WM Kader 1954

Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Horst Eckel, Fritz Walter, Ottmar Walter – 1. FC Kaiserslautern
Herbert Erhardt, Karl Mai – SpVgg Fürth
Fritz Laband, Jupp Posipal – Hamburger SV
Paul Mebus, Hans Schäfer – 1. FC Köln
Heinz Kubsch – FK Pirmasens
Heinrich Kwiatowski – Borussia Dortmund
Toni Turek – Fortuna Düsseldorf
Hans Bauer – FC Bayern München
Karl-Heinz Metzner – KSV Hessen Kassel
Max Morlock – 1. FC Nürnberg
Ulrich Biesinger – BC Augsburg
Richard Herrmann – FSV Frankfurt
Bernhard Klodt – Schalke 04
Alfred Pfaff – Eintracht Frankfurt
Helmut Rahn – Rot-Weiss Essen

Der Weg zum Wunder von Bern

Deutschland galt bei dieser WM als Außenseiter und zählte zu den acht nicht gesetzten Mannschaften. So landete man in einer Gruppe mit Ungarn, der damals besten Mannschaft der Welt, der Türkei und Südkorea. Das erste Spiel gegen die Türkei konnte in Bern mit 4:1 gewonnen werden – Schäfer, Klodt, O. Walter und Morlock trafen nach einem 1:0 Rückstand für Deutschland.
Im zweiten Spiel traf man auf die favorisierten Ungarn, die Südkorea mit 9:0 besiegt hatten. Herberger sah keine Chancen und ließ eine Ersatzmannschaft auflaufen. Bei einer Niederlage würde es zu einem Entscheidungsspiel gegen die Türken kommen, für dieses wollte er seine Stammspieler schonen. Ungarn gewann mit 8:3. Diese Taktik sorgte für harsche Kritik aus dem Heimatland.
Es folgte das Entscheidungsspiel gegen die Türkei, Deutschland trat mit ausgeruhten Spielern an. Herbergers Taktik ging auf, Deutschland ließ den Türken mit 7:2 erneut keine Chance. Max Morlock erzielte in diesem Spiel drei Treffer.
Somit qualifizierte sich Deutschland als Gruppenzweiter für das Viertelfinale und traf dort auf das sehr starke Jugoslawien. Herberger wählte eine defensive Taktik und setzte auf Konter. In der zehnten Minute ging Deutschland nach einem Konter auch durch ein Eigentor Jugoslawiens in Führung. Diese starteten einen Sturmlauf, der meist zuletzt bei Torwart Turek endete. In der 85. Minute erzielte Helmut Rahn, der vor dem Spiel Trainer Herberger ein Tor versprochen hatte, aus einem Konter das erlösende 2:0. Deutschland stand überraschend im Halbfinale.
Im Halbfinale begegnete man den Nachbarn aus Österreich, die sich zuvor in einer legendären Hitzeschlacht gegen Gastgeber Schweiz mit 7:5, dem torreichsten Spiel der WM-Geschichte, für die Runde der letzten Vier qualifizieren konnten. Deutschland ließ der Alpenrepublik keine Chance und gewann überzeugend mit 6:1 Toren. Ottmar und Fritz Walter erzielten dabei jeweils zwei Treffer. Deutschland zog in das Finale ein, während Österreich, das sich offensichtlich von seiner Viertelfinalpartie nicht erholen konnte, im kleinen Finale gegen Uruguay antreten musste und dort auch gewann.
Die deutsche Mannschaft hatte bereits zu diesem Zeitpunkt ein kleines Wunder vollbracht. Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges und wirtschaftlicher Probleme im eigenen Land hatte niemand dem Team von Sepp Herberger eine solche Leistung zugetraut. Im Finale sah man sich als krasser Außenseiter gegen Ungarn, nicht zuletzt auf Grund der Vorrundepartie. Auch hier dürfte sich die Entscheidung Herbergers aus der Vorrunde zu einem kleinen Vorteil entwickelt haben – Ungarn unterschätzte Deutschland auf Grund des klaren Sieges in der Vorrunde.
Das Finale selbst war spannend und der Ausgang lange offen. Die Ungarn gingen standesgemäß in Führung, nach 8 Minuten stand es bereits 2:0. Spätestens jetzt waren sich die Ungarn ihrer Sache zu sicher und ließen die deutsche Mannschaft zurück ins Spiel kommen. Morlock und Rahn glichen noch in Halbzeit eins zum 2:2 aus. In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein spannendes Spiel, Turek hielt ausgezeichnet auf deutscher Seite. Es folgte die 84. Minute, ein legendär gewordener Live-Kommentar von Herbert Zimmermann und der 3:2 Siegtreffer von Helmut Rahn. Die Ungarn konnten nicht mehr ausgleichen und Deutschland schaffte das Wunder von Bern. Als krasser Außenseiter wurde das deutsche Nationalteam in der Schweiz 1954 zum ersten Mal Weltmeister.

Der Weg zum Wunder von Bern

DatumOrtMannschaft 1ErgebnisMannschaft 2Anmerkung
17. Juni 1954BernTürkei 1:4 (1:1)Deutschland
20. Juni 1954BaselUngarn 8:3 (3:1)Deutschland
23. Juni 1954ZürichTürkei 2:7 (1:3)Deutschland Entscheidungsspiel G2
27. Juni 1954GenfJugoslawien 0:2 (0:1)Deutschland Viertelfinale
30. Juni 1954BaselDeutschland 6:1 (1:0)Österreich Halbfinale
04. Juli 1954BernDeutschland 3:2 (2:2)Ungarn Finale
Deutschland ist Weltmeister. Ferenc Puskas (L) gratuliert der deutschen Mannschaft nach dem Wunder von Bern. AFP PHOTO/INTERCONTINENTALE
Deutschland ist Weltmeister. Ferenc Puskas (L) gratuliert der deutschen Mannschaft nach dem Wunder von Bern. AFP PHOTO/INTERCONTINENTALE

Die beiden deutschen Trikots: Heim- und Auswärtstrikot

In den Anfangsjahren der Fußball Weltmeisterschaften war es noch nicht üblich, dass die einzelnen Verbände für jedes Turnier mit einem neuen Trikot aufwarteten. So war das Weltmeistertrikot von 1954 ein dem damaligen Fan bekanntes. Klassisch in Weiß gehalten, mit Rundhals-Ausschnitt und Ärmelabschluss jeweils in Schwarz und einem schwarzen DFB Wappen auf der linken Brust; am Rücken die Spielernummer ebenfalls in Schwarz. Auffällig waren die Kordeln und der Schnürverschluss am Hals- bzw. im Brustbereich, diese machen das WM Trikot von 1954 auch heute noch zu einem begehrten Klassiker.
Das Auswärtstrikot war schon in den 1950er Jahren grün, daran sollte sich auch in Zukunft lange nichts ändern. Das Auswärtstrikot des Weltmeisters von 1954 glich dem Heimtrikot, abgesehen von der Farbgebung. Der Rundhals-Ausschnitt, die Kordeln sowie Ärmelabschluss und Spielernummern waren bei diesem Trikot in Weiß gehalten.

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