Die WM 1974 & das deutsche WM Trikot

Kaum eine deutsche Nationalmannschaft war so legendär wie das Team um Kapitän Franz Beckenbauer das neben der EM 1972 auch die WM 1974 im eigenen Land gewinnen konnte und deutschland somit den zweiten Titel bescherte. Bis heute sind Spieler wie Gerd Müller, Sepp Maier und Günther Netzer fest im kollektiven Gedächtnis von Fussballdeutschland verankert. Wir werfen einen Blick auf das Turnier und das legendäre Finale gegen Johann Cruyffs Niederlande und ihren „totalen Fussball“.

Die Krönung des Kaisers Franz – der 2. WM Titel

Die 10. Fußballweltmeisterschaft fand erstmals in Deutschland statt. Zu diesem Turnier traten 16 Teams an, die in vier Vorrundengruppen um den Einzug in die Zwischenrunde kämpften. Der Modus wurde erneuert, im Anschluss an die Vorrunde folgte eine zweite Gruppenphase. Jeweils der 1. und der 2. einer Gruppe qualifizierten sich für eine zweite Gruppenphase, bestehend aus zwei Gruppen zu je vier Teams. Die Gruppenersten der Zwischenrunde würden das Finale bestreiten, die beiden Gruppenzweiten das Spiel um Platz drei. Zudem wurde erstmals der neugestaltete WM-Pokal vergeben, nachdem sich Brasilien mit dem dritten Titel 1970 das Recht auf die Jules Rimet Trophäe gesichert hatte.
Gespielt wurde 1974 in Westberlin, Hamburg, Hannover, Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt am Main (Eröffnungsspiel), Stuttgart und München (Finale). Die Auslosung meinte es gut mit Deutschland, Chile und Australien waren schlagbare Gegner, das abschließende Gruppenspiel gegen die DDR sollte in die Geschichte eingehen. Favoriten auf den Titel waren wie immer der Gastgeber Deutschland, der Titelverteidiger aus Brasilien, die starken Holländer rund um Johan Cruyff, Italien. Alsls Geheimfavoriten galten damals Polen und Jugoslawien.
Italien musste schon nach der Gruppenphase die Heimreise über den Brenner antreten, Deutschland landete in der wohl leichteren Zwischengruppe, auf Grund der Niederlage gegen die DDR. Mit Polen, Jugoslawien und Schweden bewegte man sich auf Augenhöhe, die zweite Gruppe wurde wesentlich stärker eingeschätzt. Hier erreichte Holland den ersten Platz vor Brasilien, die DDR wurde Dritter und Argentinien schied als Letzter aus.
Das kleine Finale gewann überraschend Polen gegen Brasilien, Deutschland konnte die favorisierten Holländer im Münchner Olympiastadion nach frühem Rückstand (1. Minute 1:0 durch Neeskens nach Foulelfmeter) mit 2:1 durch Tore von Paul Breiner (1:1, 25.Minute Foulelfmeter) und Gerd Müller (2:1, 42. Minute) niederringen. Das Team um Franz Beckenbauer wurde zum zweiten Mal Weltmeister. Torschützenkönig wurde der bis dahin unbekannte Pole Grzegorz Lato mit 7 Treffern.

Der Weg zum 2. WM-Titel

DatumOrtMannschaft 1ErgebnisMannschaft 2Anmerkung
14. Juni 1974BerlinDeutschland 1:0 (0:0)Chile Eröffnungsspiel
18. Juni 1974HamburgAustralien 0:3 (0:2)Deutschland Gruppenspiel
22. Juni 1974HamburgDDR 1:0 (0:0)Deutschland Einziges Spiel zwischen DDR und BRD
26. Juni 1974DüsseldorfDeutschland 2:0 (1:0)Jugoslawien 2. Gruppenphase
30. Juni 1974FrankfurtDeutschland 4:2 (0:1)Schweden 2. Gruppenphase
03. Juli 1974FrankfurtDeutschland 1:0 (0:0)Polen Wasserschlacht von Frankfurt
07. Juli 1974MünchenNiederlande 1:2 (1:2)Deutschland Finale
Kapitän Franz Beckenbauer erhält WM-Pokal nach dem 2:1 Sieg gegen Holland am 07. Juli 1974 . Deutschlands damaliger Bundespräsident Walter Scheel (L) applaudiert. (Foto AFP)
Kapitän Franz Beckenbauer erhält WM-Pokal nach dem 2:1 Sieg gegen Holland am 07. Juli 1974 . Deutschlands damaliger Bundespräsident Walter Scheel (L) applaudiert. (Foto AFP)

Die WM-Mannschaft – vom Kaiser bis zum Bomber der Nation

Deutschland war als Gastgeber für die WM Endrunde 1974 bereits fix qualifiziert und musste daher keine Qualifikation bestreiten. Dennoch bestritt man zwischen November 1972 und dem Beginn der WM 1974 zahlreiche Testspiele, von denen man nur zwei Spiele verlor. Trainer Helmut Schön, der Nachfolger von Sepp Herberger, baute vor allem auf eine starke Bayernachse und auf Spieler von Borussia Mönchengladbach. Nur ein Legionär stand im Weltmeisterteam von 1974, niemand geringerer als Günter Netzer, der sein Geld mittlerweile bei Real Madrid verdiente. Die bekanntesten Protagonisten waren mit Sicherheit der Kaiser Franz Beckenbauer, der Bomber der Nation, Gerd Müller, der Terrier Berti Vogts sowie Torwartlegende Sepp Maier.

Der Weltmeisterkader von 1974

Der deutsche Kader der WM 1974:
Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Georg Schwarzenbeck, Uli Hoeneß, Hans-Josef Kapellmann, Gerd Müller – FC Bayern München
Wolfgang Kleff, Berti Vogts, Rainer Bonhof, Herbert Wimmer, Jupp Heynckes – Borussia Mönchengladbach
Bernhard Cullmann, Heinz Flohe, Wolfgang Overath – 1. FC Köln
Norbert Nigbur, Helmut Kremers (kam nicht zum Einsatz) – FC Schalke 04
Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein – Eintracht Frankfurt
Horst-Dieter Höttges – Werder Bremen
Dieter Herzog – Fortuna Düsseldorf
Günter Netzer – Real Madrid

Torlegende Gerd Müller (G) bei der EM 1972 am 19.Juni 1972 in Brüssel gegen die UdSSr (AFP Foto)

Malente – DDR – Weltmeister

Vor und während der WM gastierte die deutsche Nationalmannschaft in Malente im hohen Norden. Hier bereitete man sich auf das Turnier und die einzelnen Spiele vor, legendäre Dinge werden davon berichtet. Im Anschluss an die Niederlage gegen die DDR soll es zu einer Revolte der Spieler gegenüber Trainer Helmut Schön gekommen sein, die diesen de facto seines Amtes enthoben. Spieler wie Beckenbauer nahmen in den folgenden Spielen wesentlichen Einfluss auf die taktische Aufstellung und Ausrichtung der deutschen Mannschaft. Grund für den Streit zwischen Trainer und Spielern war die Frage danach, wie man für einen Turniersieg entlohnt werden würde. Die Spieler verlangten Prämien die ähnlich denen der anderen großen Teams waren und weigerten sich etwas anderes anzunehmen, selbst unter Androhung einer Suspendierung. Ein weiteres Problem am Trainingslager in Malente war die strenge und harte Führung durch trainer Schön. Die spieler verbrachten insgesamt sechs Wochen im Trainingslager. Die Sportschule Malente war in ein abgelegenes Trainingszentrum und den Spielern wurde sowohl der umgang mit ihren Frauen und Freundinnen untersagt als auch abendlicher Ausgang aus der Sportschule. Dies sorgte für großen Unmut und „Lagerkoller“ bei der Mannschaft wie Spieler im Nachhinein berichteten.

Zum Turnierauftakt traf Deutschland auf Chile in Berlin. In einem schwachen Spiel setzte sich Deutschland durch einen Treffer von Breitner mit 1:0 durch, die gewünschte Euphorie blieb aus. Im zweiten Gruppenspiel konnte Deutschland sich ein wenig steigern, der Gegner aus Australien war allerdings chancenlos unterlegen. Durch Treffer von Overath, Cullmann und Müller gewann Deutschland mit 3:0. Deutschland war bereits fix für die Zwischenrunde qualifiziert. Es folgte das Bruderduell gegen die DDR im Hamburger Volksparkstadion. Deutschland erwischte einen schlechten Tag, die DDR hielt tapfer dagegen. In der 77. Minute gelang Jürgen Sparwasser das Außergewöhnliche, er traf zum 1:0 Endstand und machte sich selbst und seine Mannschaft unsterblich. Die DDR wurde Gruppensieger vor der BRD, die aber mit dem Ausgang des Spiels und der somit leichteren Gruppe in der Zwischenphase nicht unzufrieden sein konnte.
Diese Niederlage führte zu einem Eklat im deutschen Team, Helmut Schön musste sich seinen Spielern beugen. Viele sprachen trotzallem im Nachhinein von einem Glücksfall, denn durch diese Niederlage vermied man in der Zwischenrunde Gruppengegner wie Holland, Brasilien und Argentinien, gegen welche man zu diesem Zeitpunkt des Turnieres keine Chance gehabt hätte.
Zum Auftakt der Zwischenrunde konnte man Jugoslawien durch Treffer von Breitner und Müller mit 2:0 besiegen. Es folgte ein 4:2 gegen Schweden, abschließend spielte man um den direkten Einzug ins WM-Finale gegen Polen, die mit einem Sieg die Deutschen noch überholen konnten. Müller erzielte das entscheidende Tor, Deutschland stand im Finale. Das Team von Helmut Schön hatte sich gegenüber der Vorrunde enorm gesteigert.
Am 7. Juli 1974 traf Deutschland im Olympiastadion in München auf die Übermacht aus Holland. Die Holländer gingen durch einen Foulelfmeter von Neeskens schon in der 2. Minute in Führung. Breitner glich per Elfmeter aus, kurz vor Ende der Halbzeit traf Müller zum entscheidenden 2:1. Berti Vogts ließ Johan Cruyff nicht ins Spiel kommen und der Siegeswille und der Kampf der Deutschen wurde mit dem überraschenden WM-Titel gekrönt. Der Favorit aus Holland hatte sich letztendlich auch selbst geschlagen. Franz Beckenbauer konnte als Kapitän den neuen WM-Pokal in seiner Heimatstadt in Empfang nehmen.

Sepp Maier (R) im Torwarttrikot von 1974 gegen Johan Cruyff (M). Kapitän Franz Beckenbauer (L) im klassisch weißen Deutschlandtrikot kann nur zusehen. AFP PHOTO
Sepp Maier (R) im Torwarttrikot von 1974 gegen Johan Cruyff (M). Kapitän Franz Beckenbauer (L) im klassisch weißen Deutschlandtrikot kann nur zusehen. AFP PHOTO

Die beiden deutschen Trikots: Heim- und Auswärtstrikot

Die Trikots des deutschen Nationalteams wurden über einen langen Zeitraum hinweg nur wenig bis gar nicht verändert. Die Grundfarben, Weiß und Schwarz sowie Grün und Weiß blieben unangetastet. Auch von einem Design oder diversen Mustern war lange Zeit nichts zu erkennen.
So war das Heimtrikot der Heimweltmeisterschaft 1974 auch ein altbewährtes. Ein weißes Trikot, mit schwarzem V-Kragen, schwarzen Ärmelabschlüssen, dem schwarzen DFB Wappen auf der rechten Brust sowie einer schwarzen Spielernummer auf der Rückseite. Simpel und schlicht, ein Trikot mit Wiedererkennungswert, damals wie heute.
Ähnliches gilt für die Auswärtstrikots. Diese waren seit jeher Grün, mit weißen Spielernummern, Kragen und Ärmelabschlüssen. Das DFB Wappen war in Schwarz und Weiß aufgenäht.
Gegenüber dem WM Trikot von 1954 ergab sich somit nur eine markante Veränderung, der Schnürkragen musste weichen. Dieser dürfte wohl samt der Kordeln für den einen oder anderen Spieler unangenehm gewesen sein (während des Spieles). Bis 1980 sollten diese beiden Trikots auch Bestand haben, erst dann wurden nach und nach Veränderungen an den Trikots vorgenommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.