Die WM 1990 & das deutsche WM Trikot

Dolce Vita in Italien – der 3. WM Titel

Die 14. Auflage der Fußballweltmeisterschaft sah Italien als Gastgeberland. 24 Teams kämpften in sechs Vierergruppen um den Einzug in das Achtelfinale, darunter auch die Turnierfavoriten aus Deutschland, Italien, Brasilien, der amtierende Weltmeister Argentinien sowie England und Holland. Gespielt wurde dabei in Mailand (Eröffnungsspiel), Turin, Verona, Udine, Genua, Bologna, Florenz, Rom (Finale), Cagliari, Neapel, Bari und Palermo. In 52 Spielen fielen lediglich 115 Tore, der geringste Durchschnittswert an Toren pro Spiel aller Weltmeisterschaften. Im Gegenzug gab es 163 Gelbe und 16 Rote Karten, ein trauriger Rekord.
Bereits das Auftaktspiel sollte eine faustdicke Überraschung liefern. Weltmeister Argentinien verlor gegen Kamerun. Das Team rund um den Eckfahnentänzer Roger Milla wurde auch in dieser Gruppe Erster und erreichte zudem das Viertelfinale. Mit Ausnahme der Holländer und Argentinier, die gerade noch das Achtelfinale erreichten, überzeugten in der Vorrunde alle Titelkandidaten.
Im Achtelfinale kam es daher bereits zu zwei Spitzenspielen: Deutschland traf auf Holland, Argentinien musste gegen Brasilien ran. Für das Viertelfinale qualifizierten sich mit den Iren, Kamerun und der CSFR gleich drei Überraschungsmannschaften, für alle drei war in der Runde der letzten Acht aber Endstation. Im Halbfinale siegten Deutschland und Argentinien jeweils im Elfmeterschießen, Gastgeber Italien konnte sich im kleinen Finale gegen England den 3. Platz sichern. Die Neuauflage des Finales von vor vier Jahren gewann diesmal verdient Deutschland.
Torschützenkönig wurde der Italiener Salvatore „Toto“ Schillaci mit sechs Treffern, als bester Spieler des Turniers wird meist Lothar Matthäus genannt. Mit dem 3. WM-Titel zog Deutschland in der Bestenliste mit Italien und Brasilien gleich.

Andreas Brehme (L) und Juergen Klinsmann feiern nach dem 1:0 Elfmeter im Finale 1990. AFP PHOTO/GEORGES GOBET

Des Kaisers Favoriten – 22 Spieler für Deutschland

Das deutsche Nationalteam konnte sich lediglich als einer der besten Gruppenzweiten für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Holland erreichte in der Qualifikation vor Deutschland Platz eins. Diese Qualifikation ließ keine allzu große Hoffnung für die Endrunde zu, dennoch nominierte Franz Beckenbauer eine schlagkräftige Truppe. Neben der Inter Mailand Fraktion mit Matthäus, Brehme und Klinsmann standen vor allem viele Profis des FC Bayern München im 22 Mann starken Kader. Zwei weitere Spieler, Thomas Berthold und Rudi Völler, verdienten ebenfalls ihr Geld in Italien beim AS Rom.

Der deutsche WM Kader 1990

Raimond Aumann, Klaus Augenthaler, Jürgen Kohler, Hans Pflügler, Stefan Reuter, Olaf Thon – FC Bayern München
Bodo Illgner, Paul Steiner, Thomas Häßler, Pierre Littbarski – 1. FC Köln
Lothar Matthäus, Andreas Brehme, Jürgen Klinsmann – Inter Mailand
Thomas Berthold, Rudi Völler – AS Rom
Günter Hermann, Karl-Heinz Riedle – Werder Bremen
Andreas Möller, Frank Mill – Borussia Dortmund
Andreas Köpke – 1. FC Nürnberg
Guido Buchwald – VfB Stuttgart
Uwe Bein – Eintracht Frankfurt

Jürgen Klinsmann vor dem WM Finale 1990 in der nach dem Trikot gestalteten Aufwärmjacke von Adidas.
AFP PHOTO / AFP PHOTO / STAFF

Die Revanche in Rom – der Weg zum 3. Titel

Das deutsche Team startete fulminant in das Turnier und gewann durch Tore von Matthäus (2 Treffer), Klinsmann und Völler das Auftaktspiel gegen Jugoslawien mit 4:1. Im zweiten Gruppenspiel ließ man dem Turnierneuling aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ebenfalls keine Chance und schaffte erneut einen 5:1 Kantersieg – die Treffer erzielten Völler (2 Treffer), Klinsmann, Matthäus und Bein. Gegen den 3. Gruppengegner Kolumbien hatte man lange Zeit größere Probleme. Die Kolumbianer benötigten zumindest ein Unentschieden, um ins Achtelfinale vorzudringen. Zwei Minuten vor Schluss gelang Littbarski der Führungstreffer für die Deutschen, nahezu mit dem Schlusspfiff konnte Kolumbien noch ausgleichen und das Achtelfinale buchen. Deutschland wurde souverän Gruppenerster.
Im Achtelfinale wartete mit Holland der erste Dauerrivale der deutschen Mannschaft. Es entwickelte sich eine vor allem hitzige Partie, in der Deutschland über 90 Minuten lang dominierte. Mitte der ersten Halbzeit gab es Doppelrot für Völler und Rijkaard. Rijkaard entpuppte sich als spuckendes Lama und besudelte zweimal Rudi Völlers Haarpracht. Es kam zu Handgreiflichkeiten und beide Spieler flogen vom Platz. In der zweiten Halbzeit brachten Klinsmann und Brehme Deutschland mit 2:0 in Führung, der Anschlusstreffer von Koeman in der 89. Minute war nur noch Ergebniskosmetik. Ein legendäres Spiel ging somit positiv für Deutschland zu Ende.
Im Viertelfinale traf man auf das Überraschungsteam der CSFR, es sollte das schlechteste Spiel der deutschen Truppe bei diesem Turnier werden. Zwar konnte Matthäus durch einen Elfmeter in der 25. Minute Deutschland in Führung bringen, aber Franz Beckenbauer war alles andere als zufrieden. Wild gestikulierend stand Beckenbauer an der Seitenlinie, fluchend und schreiend – so hatte man den Kaiser bisher noch nicht erlebt. Dennoch, am Ende stand Deutschland im Halbfinale.
Dort traf man auf den nächsten Erzrivalen – England. Die Engländer hatten gleich wie Deutschland und Italien bisher absolut überzeugt, so entwickelte sich auch ein ausgeglichenes Spiel. Brehme brachte die Deutschen in Führung, Lineker glich kurz vor Schluss verdient aus. Es folgte einen torlose Verlängerung und das Elfmeterschießen. Pearce und Waddle vergaben für England, Deutschland erreichte das Finale.
In der Neuauflage des WM-Finales von 1986 traf man auf Argentinien, die sich durch ein mageres 1:0 im Achtelfinale und zwei gewonnene Elfmeterschießen ins Endspiel in Rom mogeln konnten. Im Finale ließ Guido Buchwald Diego Maradona keine Chance, Beckenbauers Spieler dominierten den Noch-Weltmeister aus Argentinien. Ab der 65. Minute agierten die Argentinier in Unterzahl, in der 85. Minute erhielt Deutschland einen Elfmeter. Lothar Matthäus wollte nicht antreten, da er in der Halbzeit seine Schuhe wechseln musste und sich nicht sicher fühlte – so trat Andi Brehme an den Elfmeterpunkt. Er ließ Torhüter Goycochea, einem wahren Elfmeterkiller, keine Chance. Deutschland spielte die Führung souverän nach Hause und wurde zum 3. Mal, hochverdient, Weltmeister. Franz Beckenbauer spazierte im Anschluss geistesabwesend und nachdenklich über den Platz, er war nun einer von zwei Akteuren, die als Spieler und Trainer (neben dem Brasilianer Mario Zagallo) Weltmeister geworden sind.

WM 1990: Der Weg zum 3. Titel

DatumOrtMannschaft 1ErgebnisMannschaft 2Anmerkung
10.06.1990MailandDeutschland 4:1 (2:0)Jugoslawien Gruppenphase
15.06.1990MailandDeutschland 5:1 (2:0)VA Emirate Gruppenphase
19.06.1990MailandDeutschland 1:1 (0:0)Kolumbien Gruppenphase
14.06.1990MailandDeutschland 2:1 (0:0)Niederlande Achtelfinale
01.07.1990MailandTschechoslowakei 0:1 (0:1)Deutschland Viertelfinale
04.07.1990TurinDeutschland 1:1 n.V. 4:3 n.E.England Halbfinale
08.07.1990RomArgentinien 0:1 (0:0)Deutschland Finale

Die beiden deutschen Trikots: Heim- und Auswärtstrikot

Lothar Matthaeus (L) und Pierre Littbarski feiern den dritten Stern mit dem WM-Pokal nach dem Finalsieg mit 1:0 gegen Argentinien, 08 Juli 1990 in Rom. AFP PHOTO / AFP PHOTO / STAFF

Das Weltmeister Trikot von 1990 ist mit jenem der Heim EM von 1988 ident. Das Heimtrikot in Weiß wurde mit einem stilbrechenden Design versehen, welches sich von den Schulterblättern, über die Ärmel bis hin zur Brust erstreckte. Hier prangen nun drei Streifen, in einem Zick-Zack-Muster, dass einer Fieberkurve sehr ähnlich ist, in den deutschen Landesfarben: Schwarz, Rot und Gold. Darüber befindet sich auf der linken Brustseite das DFB Wappen in Schwarz sowie auf der linken Brustseite das Adidas Logo. Die Adidas Streifen auf den Schultern sind genauso wie die Spielernummern am Rücken ebenfalls schwarz.
Das Auswärtstrikot hingegen bekam einen neuen Anstrich. Die dominante Farbe ist weiterhin Grün, allerdings, dem Muster geschuldet, verändert sich diese fließend von einem satten Grün, in ein helles Grün und endet letztendlich in einem farblosen Weiß. Das Muster erinnert an Pfeile oder Dreiecksbalken, mit der Spitze nach oben zeigend und im Zentrum des Trikotbereichs. Im Bereich der Ärmel zeigen die Spitzen in Richtung V-Kragen, der Schwarz-Weiß gehalten ist. Das DFB Wappen wurde ebenfalls in Schwarz – Weiß aufgedruckt, das Adidas-Logo sowie die Adidas-Streifen sind gleich der Rückennummer durchgehend weiß.

Die historischen EM und WM Heimtrikots der deutschen Nationalmannschaft.

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