Die WM 1994 & das deutsche WM Trikot

Abenteuer USA – das Land der begrenzten Möglichkeiten

Bundestrainer Berti Vogts, hier in Funktion als Trainer von Aserbaidschan 2011, konnte die deutsche Mannschaft 1994 nicht zum WM Titel in den USA führen. 7.Juni 2011 in Baku, Azerbaijan. AFP PHOTO / JOHANNES EISELE

Die 15. WM fand in den USA statt, einem Land, in dem Fußball bis dahin eher eine Nebenrolle spielte. Trotz dieser Tatsachen erreichte man bei dieser Auflage einen neuen Zuschauerrekord, nicht zuletzt auf Grund der riesigen Stadien. Gespielt wurde dabei in Chicago (Auftaktspiel), Pasadena / Los Angeles (Finale), Palo Alto / San Francisco, Boston, Detroit, Dallas, Orlando, Washington D.C. und East Ruhterford / New York.
Für die WM qualifizierten sich 24 Mannschaften, England schaffte überraschend nicht die Qualifikation. Auch bei der 15. Auflage sollte es einige Überraschungen geben, leider blieben auch Skandale nicht aus. Trauriger Höhepunkt war mit Sicherheit die Ermordung des kolumbianischen Teamspielers Andres Escobar durch die kolumbianische Drogenmafia nach dessen Rückkehr nach Kolumbien – Grund dafür war das Scheitern der Kolumbianer in der Vorrunde durch sein unglückliches Eigentor.
Darüber hinaus wurde Diego Maradona, der schon zuvor auf Grund von Kokainkonsum gesperrt worden war, während der WM positiv auf Dopingmittel getestet und aus dem Turnier genommen. Auch Stefan Effenberg musste, nachdem er deutschen Fans den Stinkefinger gezeigt hatte, vorzeitig die Heimreise antreten. Ess sollte das Ende von Effenbergs Karriere in der Nationalmannschaft sein.
Trotz allem wurde in den USA auch Fußball gespielt und vor allem Schweden und Bulgarien taten sich als große Überraschungen hervor. Auch Rumänien begeisterte die Zuschauer. In der Vorrunde blieben die großen Überraschungen aus. Alle Favoriten erreichten das Achtelfinale, ein Spiel brachte gleich zwei Rekorde. In dem bedeutungslosen Gruppenspiel zwischen Russland und Kamerun erzielte Oleg Salenko fünf Treffer, Roger Milla wurde mit seinem Ehrentreffer zum ältesten Torschützen bei einem WM-Turnier – mit stolzen 42 Jahren. Ein weiteres Kuriosum lieferte die Gruppe E, in der alle vier Mannschaften vier Punkte erreichten. Norwegen musste mit einem Torverhältnis von 1:1 bei vier Punkten die Koffer packen.
Auf dem Weg ins Finale zeigte sich, dass kein Weg an Brasilien vorbeiführen würde. Der spätere Finalgegner Italien konnte sich mit Fortdauer des Turniers steigern und war im Finale den Brasilianern ebenbürtig. Im Elfmeterschießen vergaben allerdings gleich drei Italiener, sodass Brasilien verdient Weltmeister wurde. Als bester Spieler wurde der Brasilianer Romario ausgezeichnet, den Titel des Torschützenkönigs teilten sich Oleg Salenko (Russland) und Christo Stoitschkow (Bulgarien). Schweden belegte vor Bulgarien Platz 3.

DatumRunde Mannschaft 1- Mannschaft 2ErgebnisDFB WM-Trikot
17. Juni 94VorrundeDeutschlandBolivien1:0 (0:0)weißes DFB-Trikot
21. Juni 94VorrundeDeutschlandSpanien1:1 (0:1)weißes DFB-Trikot
27. Juni 94VorrundeDeutschlandSüdkorea3:2 (3:0)weißes DFB-Trikot
02. Juli 94AchtelfinaleDeutschlandBelgien3:2 (3:1)weißes DFB-Trikot
10. Juli 94ViertelfinaleBulgarienDeutschland2:1 (0:0)weißes DFB-Trikot

Bertis Buben für Amerika – das deutsche Aufgebot

Als amtierender Weltmeister musste sich die Truppe von Bundestrainer Berti Vogts nicht für die Weltmeisterschaft in den USA qualifizieren. Erstmals seit vielen Jahren würde das vereinte Deutschland an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, dementsprechend groß waren auch die Erwartungen an den Kader von Berti Vogts. Tatsächlich schafften aber nur wenige ehemalige DDR Spieler den Sprung in das WM Team.
Insgesamt standen sechs Legionäre im deutschen Aufgebot, vier Spieler waren in Italien, zwei in Frankreich aktiv. Aus der Bundesliga konnten die Bayern nur zwei Spieler entsenden, Stuttgart und Kaiserslautern schafften mit jeweils drei Profis den Höchstwert. Unter den 22 nominierten Spielern befanden sich zwölf Weltmeister von 1990, die auch größtenteils zum Stammpersonal bei dieser WM zählten.

Der deutsche WM Kader von 1994

Andreas Brehme, Martin Wagner, Stefan Kuntz – 1. FC Kaiserslautern
Thomas Berthold, Guido Buchwald, Thomas Strunz – VfB Stuttgart
Thomas Helmer, Lothar Matthäus – FC Bayern München
Matthias Sammer, Karl-Heinz Riedle – Borussia Dortmund
Jürgen Kohler, Andreas Möller – Juventus Turin
Bodo Illgner – 1. FC Köln
Oliver Kahn – Karlsruher SC
Andreas Köpke – 1. FC Nürnberg
Mario Basler – Werder Bremen
Stefan Effenberg – AC Florenz
Maurizio Gaudino – Eintracht Frankfurt
Thomas Häßler – AS Rom
Ulf Kirsten – Bayer 04 Leverkusen
Jürgen Klinsmann – AS Monaco
Rudi Völler – Olympique Marseille

Der amtierende Weltmeister enttäuscht

Deutschland trat mit großen Titelambitionen die Reise nach Übersee an, mit zwölf Weltmeistern von 1990 wollte man erneut den Titel nach Hause holen. Über den Köpfen des Teams schwebte immernoch das Damoklesschwert der großen Worte Franz Beckenbauers nach der WM 1990. Der Kaiser hatte behauptet, dass die deutsche Mannschaft nach der Wiedervereinigung durch den Zugang der Spieler aus der DDR und wegen der vielen weiteren talentierten Spieler die man eh schon im Kader hatte „auf Jahre weg unschlagbar“ sein würde. Dies sollte sich spätestens bei der WM 94 als Trugschluss herausstellen. Die Mannschaft von Berti Vogts tat sich von Beginn an schwer und konnte im Auftaktspiel gegen Außenseiter Bolivien nur

knapp mit 1:0 durch ein Tor von Jürgen Klinsmann gewinnen. Im zweiten Gruppenspiel bekam man es mit Spanien zu tun, das Spiel endete leistungsgerecht 1:1. Das Tor für Deutschland erzielte erneut Jürgen Klinsmann. Vor dem letzten Gruppenspiel war Deutschland bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert. Auch gegen Südkorea war Deutschland haushoher Favorit, dieser Rolle wurde man zunächst auch gerecht. Bereits in Halbzeit eins konnte Deutschland durch Treffer von Klinsmann (2 Treffer) und Karl-Heinz Riedle mit 3:0 in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit stellte die Mannschaft von Berti Vogts aber unverständlicher Weise den Spielbetrieb ein, sodass Südkorea auf 3:2 verkürzte. Letztendlich blieb es bei diesem knappen Sieg für Deutschland.
Im Achtelfinale duellierte man sich mit Belgien. Völler erzielte die schnelle Führung, Belgien glich postwendend aus, ehe in der 11. Spielminute Jürgen Klinsmann erneut die Führung für Deutschland erzielte. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit konnte Rudi Völler die Führung auf 3:1 ausbauen. Belgien schaffte in der 90. Spielminute lediglich den Anschlusstreffer, Deutschland erreichte somit, ohne bisher überzeugen zu können, das Viertelfinale.
Dort traf man auf die Überraschungsmannschaft aus Bulgarien, die rund um Superstar Christo Stoitschkow durch eine kompakte Mannschaftsleistung auffiel. In diesem Spiel erzielte Lothar Matthäus aus einem Elfmeter die Führung für Deutschland. Danach legte Bulgarien einen Zahn zu und glich durch Stoitschkow in der 75. Minute aus. Nur drei Minuten später gelang Jordan Letschkow der Siegtreffer, der amtierende Weltmeister war im Viertelfinale verdient ausgeschieden. Von den Weltmeistern von 1990 konnte nur Jürgen Klinsmann überzeugen, viele Spieler blieben in den USA weit hinter ihrem Leistungsvermögen zurück. Das schlechte Abschneiden leitet auch einen Umbruch im deutschen Team ein, der sich schon zwei Jahre später mit dem Gewinn der EM bezahlt machen sollte.

Der Moment an dem die WM Träume der deutschen Mannschaft endeten. Stoichkov aus Bulgarien jubelt nach seinem Siegtreffer für das Überaschungsteam, dasss die deutsche Mannschaft aus dem Turnier in den USA kegelte. AFP PHOTO/JEAN-LOUP GAUTREAU

Die beiden deutschen Trikots: Heim- und Auswärtstrikot

Die WM Trikots von 1994 waren, ähnlich dem Turnierverlauf, wenig begeisternd. Ein neues Design wurde entworfen, das hier und da für Irritationen sorgte. Während die Grundfarbe weiterhin Weiß war, wurden im Schulter-, Hals- und auch Brustbereich auf der Vorderseite Rauten in den Landesfarben angebracht. Von oben beginnend in Gold, Rot und unten Schwarz endend. Darunter befand sich auf der linken Seite das DFB Wappen, in der Mitte die Spielernummer und daneben links ein Adidas-Schriftzug – alles in Schwarz gehalten. Auch die Rückennummer war schwarz, die Adidas-Streifen auf den Ärmeln fielen dem Design zum Opfer. Der V-Kragen erstrahlte im Übrigen auch in den Farben Schwarz, Rot und Gold.
Das Auswärtstrikot war mit dem Heimtrikot erneut ident, nur dass anstelle von Weiß hier das für das Auswärtstrikot klassische Grün dominierte. Die Spielernummern, der Adidas-Schriftzug und das DFB Wappen waren im Gegensatz zum Heimtrikot weiß. Beide Modelle, Heim- wie Auswärtstrikot, brachten der deutschen Nationalmannschaft bei diesem Turnier wenig Glück und dürften wohl bei vielen Fans direkt im Anschluss des Turnieres im Kleiderschrank verschollen sein.

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